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Film–Installation
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Hintergrund



 Inhaltlicher Background 

Welche Strukturen bilden sich in der freien Zeit? Was passiert in dem wachsenden (Zeit)Raum, in dem Jeder selbst bestimmt und die Ausrede „Job“ außer Kraft gesetzt ist? Auch zwanglose Beschäftigung prägt die Persönlichkeit. Das hat die Künstler in diesem Projekt interessiert.

Ein Bild unserer Zeit anhand von Gruppenportraits unterschiedlich fest gefügter Freizeitgemeinschaften zu zeichnen, mit Mitteln der bildlichen Poesie, des Spielwitzes und der choreografischen Montage, war Ziel dieser Arbeit. Die Recherche ließ sich durch Energien anstecken und initiierte ihrerseits Dynamik bei den Beteiligten. Freiwilligkeit bestimmte nicht nur inhaltlich das Thema, sondern auch den Arbeitsprozess mit den Protagonisten.

Die Drehs waren für die Akteure besondere Events. Ein Highlight, für das man sich in Schale warf – Stirnband, Ringe, Motorradhandschuhe, Neongelbe Flossen, kostbare Spitzenjäckchen, rote Fliege, roter Schal und super teuere Markenjogger wählte. Alle haben gespürt, dass hier genau hingeschaut wird und zwar auf sie selbst. Diese Stimmung überträgt sich in den gefilmten Bildern.



 
 zum Entstehungsprozess 

  „Wir arbeiten mit dem was jeder mitbringt“ war der Ansatz der beiden Künstler, als sie die choreografischen Bilder, in der Landschaft Brandenburgs inszenierten.

Bei diesem Tanztheater unter freiem Himmel, aufgezeichnet mit drei Filmkameras, gab es keine gebauten Bühnenbilder, keine extra Ausstattung und keine erfundenen Kostüme. Stattdessen wurden die Orte so gewählt, dass die Landschaft selbst als Bühne funktioniert:

So passen beispielsweise genau 23 Chormitglieder in ein Wartehäuschen, das einsam an der Landstraße steht. Sie tragen ihre übliche schwarz neutrale Auftrittskleidung, akzentuiert mit roten Fliegen und Tüchern. Während Harley-Biker in ihrem Leder- Outfit mit ihren polierten Maschinen von Liedstrophe zu Liedstrophe durchs Bild rollen und den Chor-Gesang begleiten...

oder

wenn die Mitglieder des „Liebhabertheater“ in ihren selbst gefertigten historischen Gewändern im knöcheltiefen Wasser tanzen und dazu Taucher in voller Montur zwischen Schiffsfrachtern und Speedbooten auf und ab tauchen...

Dann wird etwas an sich Normales, das auf etwas anderes Normales trifft zum besonderen Ereignis. Ungewöhnliche Begegnungen, die in „choreografische Bilder im Feld“ ganz selbstverständlich behauptet werden.

Es war das Spannungsverhältnis zwischen den Akteuren unterschiedlicher Gruppen und verschiedener Lebensentwürfe im selben Setting, das den Medienkünstler Sirko Knüpfer interessierte. Als würden auf einer Bühne verschiedene Stücke parallel gespielt. Für den Beobachter ergibt sich ein Situationsganzes, in dem Details nicht verloren gehen, sondern den Akteuren Luft und Raum schaffen, für deren individuelle Selbstbehauptung.



 Aspekte der Choreografie 

  Das Narrative, der auf gesprochene Sprache komplett verzichtenden „Choreografischen Bilder im Feld“ entsteht durch Bewegung. Die kleine, ganz normale Geste war für die Choreografin Paula E. Paul von besonderem Interesse. Sie verlangte keine komplizierten Bewegungsabfolgen von den beteiligten Akteuren, sondern hat sich von deren Repertoire, ihren Verhaltensweisen und Bewegungsmustern leiten lassen. Eine ihnen gemäße Choreografie wurde daraus entwickelt und in Szene gesetzt. Dadurch konnten die Akteure ganz bei sich bleiben und ihre natürliche Präsenz zum Ausdruck bringen. Das gab ihnen Sicherheit und Schutz vor der Unbestechlichkeit der Kamera.


 
 Aspekte der Bildmontage 

  Die Bildmontage folgt dem Prinzip Interessegeleiteter Wahrnehmung. Blicke, die hängen bleiben und plötzlich wieder mit der verflossenen Zeit Tritt fassen, eine dynamische Vorstellung vom Zeit- und Aufmerksamkeitsfluss prägt die Arbeit als Ganzes. Auf zwei gegenüberliegenden Leinwandpaaren wird mit wechselnden Zuordnungen ebenso gespielt, wie mit der Erweiterung des Bildraumes über die Grenzen einer Leinwand hinweg. Die Betrachter entscheiden selbst, wie lange sie im Filmraum bleiben, die Situation erlaubt ein Kommen und Gehen nach Belieben. Die Installation läuft im loop von ca. 30min.


 
 Aspekte der musikalischen Komposition 

  Der Fülle der unterschiedlichen Persönlichkeiten im Bild setzt Michael Merkert in der musikalischen Komposition nur ein einziges Instrument entgegen. Die Gitarre, ganz nah am Westernklischee, spielt er mit dem Bogen, sie wird gepitzt, mit dem Plaque geschrabbt, mit Flagelotttönen schwingen die „leeren Saiten“ in voller Länge über die Weite des flachen Landes. Hier sind keine Berge, die reflektieren und brechen und zurückwerfen. Impulse, die gesendet sind erreichen, den anderen irgendwann, dass ist so in Brandenburg. Wenn der Wind öfter mal dreht, dauert die Impulsreise etwas länger.